Ja Vam svim srdacno hvalim, gor tebi Trudica, i Vam Malobristofci iz nasega lipoga sela za lipu muziku.
Milan Vukovich





















Das Verschwinden 






Mittels meiner inhaltlichen Recherche und meinem zeichnerischem Beitrag stelle ich den Bezug der hiesigen kroatischen dörflichen Bevölkerung zu den regionalen historischen Hochkulturen her. Die Verwurzelung der Menschen in der Landschaft ist mein Thema. Ich lehne den Begriff "Minderheiten" ab, da in meiner Sehweise die familiäre, die berufliche und die kulturell seit jeher verwobene Ethnie jedes Menschen sich von Mensch zu Mensch gänzlich unterschiedlich manifestiert und banale soziologische und ethnologische Zuordnungen und simple wissenschaftliche Pauschalierungen unter diesem Begriff oft nicht zutreffend sind.
Ich möchte darauf hinweisen, daß der burgenländische Raum auf Grund seiner geographischen Positionierung seit Jahrtausenden eine Durchzugsregion für Reitervölker, Hunnen, Awaren, Alamannen, Slowaken und zahlreiche Ostvölker war und schon vor der Einwanderung der "Kroaten" nebst der ungarischen Bevölkerung slawische Einwohner besaß.
Die "Ethnographie der Österreichischen Monarchie" 1857 erwähnt den Heerführer Vukovich (woiwod Fürst Voccovicz, 1537) welcher den Menschenstrom von Fliehenden im 16. Jh. anführte.  Diese eingewanderten "Kroaten" bestanden jedoch nebst Kroaten auch aus Bosniern, Serben, Bulgaren, Albanern, Ungarn, Slowaken und ein Rest der türkischen Invasoren blieb ebenfalls hier zurück und siedelte auf dem von den Grafen von Batthyany zur Verfügung gestelltem Land. Wir danken heute noch der Familie der Fürsten Batthyany.  Die südlichen Einwanderer waren fast alle Adelige, welche zu jenem Zeitpunkt von den Türken besonders verfolgt wurden. Die heutigen Einwohner und Namensträger dieser sehr alten Stämme wissen dies nicht. Erst seit Maria Theresia +1780 wird die Minderheit innerhalb der Monarchie einheitlich als "monarchietreue Kroatenschaft" bezeichnet. Warum die historische Abstammung der slawischen Familien und ihre Kulturphänomene in der Vielvölkermonarchie dann doch nicht thematisch eingebracht worden sind, ist eigentlich nicht nachvollziehbar. Von Wien und von Rom aus war man anscheinend doch an einer relativen Assimilierung interessiert. Auf diesem Wege ist das mitgebrachte Bogomilentum, eine der französischen ritterlichen Katharerbewegung affine religiöse Praxis, sowie der Rest authentischer altslawischer Adelsgepflogenheiten und die Tradition der Bosnische Kirche ebenso verschwunden, so wie die glagolithische Schrift und ihre Liturgieform und vor allem die älteste Religionsform des Ostens, das ungarische Schamanentum und damit auch ältestes Heilwissen. Wie das gehandhabt wurde kann ich Ihnen persönlich erzählen... 




Gerne spreche ich über Mythologien, einem noch byzantinischen Erbe aus der Tradition des antiken "Königsheils", ihrer daraus sich geformten historischen Epen, vor allem über die großen epischen Relikte meiner Vorfahren rund um die Heerführer Vuk Kosaca (Epirus- und Thessalienfeldzug), Feldherr Prinz Vlatko Vukovich Kosaca  (Schlacht am Amselfeld),  Herzog Hervojar Vukcic Hrvatinic und seine Turnierästhetik, seine Buchdenkmäler, seinen royalen verinnerlichten ritterlichen Machtanspruch als Thronprätendent in seinem eigenen Land und als Mitglied im damaligen großeuropäischen Herrschergefüge, mit seinem nicht unwesentlichen Anteil an der Ritterordensgeschichte (Drachenorden) und als Vorbildgestalt in der balkanischen Heroengeschichte bis heute.
Hier liegt kollektive Erinnerung ganzer Völker über solche meist mündlich tradierte hybride epische Zusammenhänge in Resten ihrer heutiger Verhaltensformen, von Resten davon in der Dichtkunst, in der Volksmusik, in der Architektur und von archetypischen Merkmalen in ihrer Sprache, die die meinige ist. Eine neue historische Sprachanalyse weist nach, daß unser heutiger innerfamiliärer frühslawischer Sprachmodus mit seinem archetypischen Vokabular und den heute altmodischen Redewendungen sich direkt und unverändert in frühen sprachlichen Gepflogenheiten in historischen Dokumenten von Tvrtko I. Kotromanich, dem König Bosniens, dem Bruder von Großfürst Vuk, unserem Namensgründer, wiederspiegelt.
Das mittelalterliche geistliche und politische Erbe beinhaltet noch einen ideologisch nicht fragwürdigen Heilsanspruch. Wie sich unschwer aus seinen Königsinsignien und seiner Krone ablesen läßt, war Tvrtko selbst König und Schamane. Er war tief verbunden mit dem östlichen noch asiatischen Magiertum, mit orientalisch Alchemischem, einer al-hiymyaa als politisches Einigungswerk zur Befriedung all seiner Landesethnien- und religionen, weit zurückgreifend aus seinen wohl persönlichen und sentimentalen Interpretationen eines vermeintlichen Mithraskultes und sah in der Förderung der Bosnischen Kirche mit ihren geheimen, beim Papst unbeliebten religiösen Praktiken und natürlich mit der Bogumilentradition die spirituellen Heilsgrundlagen des Balkans. Dies führte zum Zerwürfnis mit seinem Bruder Vuk, der kurz ebenso den bosnischen Thron innehatte und sich als Abwendung von der "heidnischen Linie" seiner Familie dem römisch katholischen Glauben und dem Papst treu verpflichtete. Dennoch blieben im Umfeld der fortan katholischen Vukovich Nachkommen diverse "heidnische" Heilskonglomerate und sehr alte Heilspraktiken Teil des zu hinterlassenden Kulturerbes. 
Als fruchtbarer Rahmen kam später dann nach der Auswanderung die im westungarischen Raum praktizierte volksschamanische Tradition hinzu mit der das familiäre thaumaturgische Erbe verschmolz. Ich selbst sah 1967 noch den letzten mutmaßlichen Dorfschamanen bei uns, einen übergroßen gekrümmten, irgendwie kränklich aussehenden, in Fetzen gekleideten jedoch eleganten Greis, um den die Dorfkinder hänselnd herumsprangen und riefen: "Grebenzijasch Grebenzijasch!" (=altungarisch garabancias, Schamane). Meine anthropologischen Forschungen haben damals begonnen. Ich war 8.
Dann ist die Rede vom vermutlich reströmischen südlichen Pflanzenheilwissen. Es reichte ebenso noch bis in meine Zeit. Ich erfuhr beispielsweise von der um 1560 unter anderem mitgebrachten seltenen alten Heilpflanze oskorusa, dem Baum Speierling, lat.sorbus domestica, dessen innerstes Mark noch mein Urgroßvater regelmäßig im Dezember im verschneiten Deutschkreutzer Wald in einem selbstentworfenem riesigen alembicus aus Stoober Ton nach vermutlich arabischer Bauart am offenen Feuer nach eigenem Rezept (vermutlich mit Eberesche, Weissdorn, Schwarzdorn, Apfel, Distel und Eisenrost) durchgehend 1o Tage und Nächte lang destillierte. Sehr gefürchtet von der bäuerlichen Dorfbevölkerung, ein Allheilmittel gegen eiternde Wunden, Gedächtnisverlust, Epilepsie und Wahnsinn, nur eines der zahlreichen Themen altslawischer Besonderheiten aus unserem altertümlichen  Kulturkreis. Der Dorftotengräber von Mali Boristof mein Freund Tome Lucin hat es  mir in der gora wie vieles andere erzählt. Die Intention jedenfalls meines Urgrossvaters sei gewesen nicht nur Wunden, Entzündungen und Krankheiten zu heilen, sondern die anima selbst, unnatürliche Gedanken- und Handlungsmuster, der Clan selbst bezeichnete es als Unheil, welches die Direktheit zum Göttlichen, zum höheren Sinn verhindert, um sie nun mittels der reinigenden Lösung des alten Zaubers wieder an unser Höheres Selbst anzubinden. Sein moralischer Handlungsauftrag als slawisch altungarischer Adeliger umfasste das tiefe ursoziale Bedürfnis bis in die schwächste Stelle seiner Gemeinschaft liebevoll einzuwirken, um sie mit aus der Natur verfügbaren Gaben mit der Gnade Gottes zu versöhnen.
Später im Laufe meiner ethnographischen Forschungen stieß ich dann sogar auf völlig abgegriffene Manuskripte des antiken Orakels von Dodona, sybillinische magische Texte, welche von den Dorffrauen noch handabgeschrieben heimlich nachts herumgereicht wurden.
Ein nicht aufgeschriebenes Wissen darüber zu haben bedeutet Träger eines Volksmythos (siehe Fragmente Eleusinischer Traditionen) zu sein, da bin ich wohl ein wandelndes und aussterbendes Fossil, weiß Dinge, Verhaltensformen, alte Worte und eine mündlich tradierte Historie aus einer mächtigen längst verflossenen Zeit von einer mir unbekannten vergessenen Landschaft, Inhalte, welche aus einem größeren Geist entstanden sind als sie der heutige Alltag hat, es ist meine Wurzel, ich werde fast alles wieder mit mir mitnehmen.
 
Nach der Absorbierung der "kulturellen Eliten"und dem vollkommenen Verschwinden der altslawischen Nobilität, dem Verschwinden alten Königswissens (Thaumaturgie) samt der Hochkultur allgemein in  Südosteuropa bis zum 16. Jh. sind  die Europäische Gemeinschaft und die einzelnen Staaten (Kroatien, Slowenien, Serbien, Bosnien,  Bulgarien)  heute im 21. Jahrhundert wieder daran interessiert am Balkan zumindest eine bürgerliche Identität wiederherzustellen mit dem Ziel eines Wachstums hin zu einem westlichen kulturellen, sozialen und humanistischen Niveau. Hier liegt zumindest eine Chance für Wissens- und Kulturtransfer.








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