geb. 1960 in Wien
Schule Kleinwarasdorf  


Studien Wien 
 













Fotografien 1970 - 1984
 
 










Fred Vukovich, Landwirt Kleinwarasdorf und Milan Vukovich,  1974














skills    
                      
das Außerachtlassen der Moderne durch Kenntnis der Moderne   





Thema ist die Form- und Inhaltsbildung der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Pänomen Existenz und ihren ästhetischen environments. Dem Dilemma der Ausgeliefertheit einer Vielfalt von westlichen Konsum-,  Medien-  und Kunstmarktideologien werden grundsätzliche Ansätze für ihre Überwindung und Mittel gegen ihre Vereinnahmung entgegengestellt. Die Erstellung eines homogenen Sinnzusammenhanges geschieht mittels Reflexion der aktuellsten und radikalsten Kunstpositionen und ihre Rückbindung `religare´in einer früheren zeitlosen und undeterminierten Kulturauffassung.

Das Auffinden von Archetypen gestattet eine Erstellung eines homogenen und kosmologischen, vielleicht europäischen Weltbildes. Dem Prinzip der `coincidentia oppositorum`, dem Zusammenprall von Gegensätzen entsprechend ist eine Einheit in Sein und Wirken durch die Koppelung des Rationalen mit dem Irrationalen herstellbar. Gesucht wird im Weltentwurf eine Linearität eines humanistischen durch Jahrtausende sich erstreckenden geistigen Erbes, um es fortzusetzen. Hierin wird es angereichert mit den Erfahrungen aus den Weltreligionen und der Philosophie. Grundsätze der Freiheit, Toleranz und Offenheit werden neu aufbereitet und mit Grundsätzen von Identität, Wertegebilde und Verwurzelung in Einklang gebracht.

Es fällt nicht schwer im Arbeitsansatz eine verschlüsselte Interdisziplinarität als Mittel der transformativen Aktionen auszumachen. Recherchen aus den Bereichen der Archäologie, Ethnographie, Mythologie, Architektur, Psychologie, Soziologie, usw. werden herangezogen um sie in metamorphotischer Weise in gattungsübergreifenden Strukturen innerhalb präziser Artefakte zu manifestieren. Den teils auch statisch aufbereiteten  Endergebnissen liegt die visionäre Vorarbeit zahlreicher bedeutender der Zeit vorausblickender Künstler der Moderne zu Grunde.

Die historischen Rückkoppelungsmaßnahmen meiner Arbeiten überspringen als postmodernes Vehikel jeweilige Zeitverläufe bis zur Frühzeit der Menschheitsgeschichte. Am Beispiel des Wagemutes von Carolee Schneemann, einer Pionierin weiblicher Aktdarstellung im Kontext mit der Fluxusbewegung wird schon in meinem Frühwerk eine kritische Affinität zu historischen gender-behavior Positionen dargelegt - meine Recherche reicht von den Muttergöttinenkulten der Steinzeit bis zum flower power movement der 70er Jahre.  Von Carolee Schneemann´s revolutionären artists-social body relationships angeregt wird an Hand archaischer visueller Traditionen in Form zeichnerischer codes von mir eine deutliche Infragestellung des ideologisch generierten Frauseins und ihrer Körperhaftigkeit im urbanen Umfeld von heute gespannt. Meine eigene männliche Identität im heutigen Raum_Zeit Gefüge steht ebenso in einem deutlich abweichenden Verhältnis zu ideologischen Vorgaben der Gegenwartskultur und des Abstandnehmens  zu Gunsten historisch erweiterter Ideale.

 In meinem Werksverlauf wird der reduktionsbestimmte Suprematismus des marxistischen Malevitch über alle, bis Agnes  Martin geistig weiterverfolgt in ein übergreifendes Raumkonzept, das schon alte `concetto spaziale` und dieser Raumansatz wird weitergeleitet bis zum feudalen Barocken Gesamtkunstwerk und weiter zum Gotischen Dombauhüttenwissen und seinen Ursprüngen. Dort sind anonyme mittelalterliche Baumeister mit ihrer Kenntnis der chtonischen  Kräfte, dort sind unsignierte Flügelaltäre. Dort sind gewaltigere Traditionen. Dort bin ich. Dennoch werden fließende zeitübergreifende Übergänge über den ernstzunehmenden aktionistischen Einzelprotagonisten  Schwarzkogler angedacht bis sein und auch mein pathographischer Bezug, die tatsächliche Traumabewältigung historisch in den Corpus  Christi Mysticum - Darstellungen des Michelangelo ein wesensverwandtes und erlösendes Echo findet.

Für Herätiker ist es augenscheinlich Magie, daß das Erlösungsmysterium gleich einem Schwarzen Loch das Unfaßbare vollkommen aufnimmt. Nichtsdestoweniger ist kaum jemand bereit, die erschütterndsten revolutionären Botschaften `Goya´s desastres , deren schöpferische Sprache sich über die ausgewachsene Angsterfülltheit bis zum Wahnsinn auflöst ´Antonin Artauds Tarahumaras und gewiss George Bataille`, hierhinein zu erden. Ich ergreife die Gnade der Emanation als Chance dafür. Zwischen den Spannungsfeldern der historischen Realitäten gleitet das Revolutionäre zwischen den Fingern ab, es münden die `prophetic reflections` in den großen Fluss ihrer historischen Ursache.

Die Antwort auf Francis Bacons Papst liegt in dem Wiederaufgreifen der Feudalintention  im neualten handwerklich und geistig präzisen Wiederthematisieren von Velasquez`  Papstoriginal unter inzwischen neuen politischmedialen Rahmenbedingungen. Die Auflösung der ekstatischen Sprache und der in die Gewalt der Körperlichkeit gebrachten materiellen Energie subsumiert  das Leiden des Fleisches, seine Verfolgung und die Zerreißung des Subjekts im reinen Leid- und Todesüberwindungsprinzip des Messianischen.  Die Eigentlichkeit als Wurzel der jeweiligen Auseinandersetzung kann nun in meinen Menschendarstellungen ausgehend vom Hyperrealismus eines Chuck Close, Ausstellung `The Fotographic Image`im New York Guggenheim Museum, neu wahrgenommen werden über den Konnex der Zeitläufe der Renaissance, Lucas Cranach, Albrecht Dürer bis ganz zurück zum Beginn der thanatografischen Mumienporträts als Metapher neuzeitlicher Todesbewältigungsstrategien. Sämtliche meiner Zeichnungs- und Raumprojekte beinhalten davon ein dichtes Netz an innergeistig unerwarteten Querverbindungen . 

Transmutation gelernt aus der Alchemie bringt den Ansatz des Visionären zu Tage, affin zu Kieslers `´endless house´, gestorben 1965 in New York , findet sich der Bezug zur frühen alttestamentarischen Wurzel in frischester Aktualität. Relevant ist der Bezug seiner Hybris, welche in ihrem Verlauf wahrgenommen die Transmutationsfähigkeit aus dem Alten Bund empfängt und durch die Anamnese vor allem der christlichen Messe selbst aus sich heraus frohgemut in den Neuen Bund mündet. Natürlich liebe ich das mathematische Definieren des endlosen Zeitflusses über die öffentlichkeitsscheue Logik Hanne Darbovens, +2009 und freilich sind solche Positionen der Moderne in sich immer hybrid, die Zeichnung von Raymond Pettibon manisch und die Werke von Matt Mullican schizophren. Eine Moderne solcher Art ist vor allem nur cooler Zeitgeist und es haftet ihnen der Autismus an. Das ist mir zu wenig.

Konstrukte der Heilsauffassung unter den Prämissen der Kunst sind ja nach wie vor verpönt, ein neuaufkeimendes Beuys-Interesse wird einem christologischen Weltbild vielleicht einen gewissen Aufschwung verpassen und dann vielleicht bei den Recherchen rund um das Phänomen der Quantenmechanik und CERN eine neue metaphysische Diskussionsdeterminante werden.
Meine Arbeitszyklen verstehen sich als Katalysatoren für eine konsequente Neuexegese unter den Prämissen der Überwindung des Demiurgischen hin zu reinen anthropoimmanenten Glaubensauffassungen   aus der Quintessenz der Weltreligionen und hier vorzüglich aus meiner eigenen. Und das alles unter den entscheidenden Rahmenbedingungen meiner Selbstaufgabe. 

Gerne hatte Graf Panza di Biumo in Mailand als Hausherr sein geerbtes Renaissanceschloß ausgeräumt und Platz gemacht für tausende Werke, conceptual art, land art, Rothko, Weiner, Oldenburg, Serra, etc. Gerne besann er sich wieder auf die Renaissancesubstanz, räumte die moderne Kunst wieder weg, machte ein ordentliches Geld. Es bleibt seine Historie, ein paar riesige Renaissancekerzenleuchter und Renaissancetruhen und ein Bewußtseinsbildungsprozess, welcher gleich einer Reise einen Menschen zu vervollkommnen vermag und ihn als Anderen, als Neuen entläßt.

Die Entscheidung aus der kreativen Divergenz über die Momentaufnahme der Gegenwart hinweg mich ebenso nach den größeren Geschichtsverläufen zu richten ist gefallen. Ihr Ergebnis mag nun in der Rezeption eine übertragbare Katharsis und Neustrukturierung von Bewußtseinsverläufen, sowohl in der persönlichen geistigen Auseinandersetzung als auch in Gemeinschaften bis hin zum Staat gestatten. Nicht Bruch mehr sondern Bejahung der Geschichte ist das Thema ab nun. Affirmation! Deshalb ist das geistige Abenteuer in  meiner Arbeit  tatsächlich nicht bestimmt von der indoktrinierten Übernahme und Weiterleitung historischer "linker" Denkansätze, welchen ein Großteil der Intellektuellen recht verspätet bedingungslos und brav folgt. Ich betrachte die philosophischen Grundlagen der Moderne und die Aufbereitung ihrer soziologischer Strukturen `Michel Foucault`, mit ihren Ansätzen, wie Subjekte konstituiert und diszipliniert werden als Möglichkeit des Selbstentwurfs, als gescheitert. Ein gesamter Kunstbetrieb vor allem der unprivilegierten Klassen hängt diesem Traum nach, in der Annahme mit kontroversen Maßnahmen ihre historische Leistung zu politischer Intervention zu vollbringen. Die inzwischen ideologisch gleichgeschaltete und sozialdemokratisch institutionalisierte Moderne konnte ihren Klassenkampf nicht beenden, setzte ihn für alle Beteiligten als `freie` Subkultur nicht nur unmerklich fort, sondern verstärkte noch die Unterschiede und Abhängigkeiten auf subtilste Weise. Es konnte der zu Beginn der Moderne angestrebte Freiraum nicht verwirklicht werden und auch keine Hochkultur geschaffen werden. 

Deutlich zeichnen sich am Horizont schon seit langem Rahmenbedingungen für einen neuen Umgang mit dem Geschichtsverlauf an. Die "Arbeiten" der Kunstgeschichte der letzten Jahrzehnte werden nun sinnvoller Weise als das was sie waren entlarvt, richtig interpretiert und umgeschrieben werden  und unter neuen Prämissen werden lange erwartete Denkansätze mit unverstörten und intelligenteren Gesellschafts- und Kulturmaßnahmen als dauerhaft konsequente Erneuerung von innen her geschaffen werden. Dies geschieht freilich zuerst in einem kleinen Kreis anderer Menschen, so ist die Geschichte, so geht sie eben weiter. 

Ich nun vermeine mit meinem Umfeld und mit meiner Arbeit ausreichend entsprechende geistige und handwerkliche Grundlagen dafür geschaffen zu haben.





DA SPRACH ICH:          WEH MIR,  DASS ICH GESCHWIEGEN HABE,   WEIL ICH EIN MANN VON UNREINEN LIPPEN BIN,   UND UNTER EINEM VOLKE VON UNREINEN LIPPEN WOHNE,   UND DEN KÖNIG,   DEN HERRN DER HEERSCHAREN MIT MEINEN AUGEN SAH.                 Isaias Cap.6,5 





Milan Vukovich,  zur kulturhistorischen Wende,   Wien    2012










    
















1984
2012